Der Kleine Ninja

Eine Geschichte von Torsten Hartmann mit Illustrationen von Eduard Anton

Weißt du, was ein Ninja ist? Nein? Dann möchte ich dir heute gerne etwas über einen Ninja erzählen. Ninja erkennt man vor allem daran, dass sie fast immer schwarz angezogen sind und ihr sie deswegen gar nicht erkennen könnt. Ninja haben nämlich immer eine Maske auf. Schwarz, wie der Rest ihrer Kleidung, und mit einem Schlitz über der Nase, gerade so groß, dass ihre Augen hindurch schauen können. Ninja wollen nämlich nicht erkannt werden.

Was Ninja so machen, wollt ihr wissen? Habt ihr euch schon einmal aus eurem Zimmer an den Eltern vorbei ins Wohnzimmer, ins Badezimmer oder in die Küche geschlichen? Genau das machen Ninja. Immer. Sie schleichen den ganzen Tag an irgendwas oder irgendwem vorbei. An Menschen, Hunden, Katzen, ja sogar an Waschbären, Braunbären und Pandabären. In dieser Geschichte geht es um einen ganz besonderen Ninja. Einen kleinen Ninja.

Der kleine Ninja schläft gerade. An der Decke. Das ist nichts Besonderes. Alle Ninja schlafen an der Decke. Das hat sich mit der Zeit so ergeben. So wie du es dir angewöhnt hast, in einem Bett zu schlafen, hängen Ninja lieber an der Decke. Das finden sie gemütlich.

Wenn der Wecker des kleinen Ninja jeden Morgen klingelt, tut er das ebenfalls an der Decke hängend. Dann erschreckt sich der kleine Ninja so doll, dass er direkt von der Decke nach unten auf den Boden fällt. Da alle Ninja aber ganz geschickte Turner sind, kommen sie immer mit den Füßen zuerst auf dem Boden auf. Es sei denn, sie möchten mit den Händen, dem Rücken oder dem Kopf zuerst aufkommen. Dann tun sie das auch.

Der kleine Ninja wollte heute Morgen mit dem Kopf zuerst aufkommen. Hat er auch gemacht. Ein bisschen weh tut es ihm nun aber doch. Aua! Etwas benommen schlurft er ins Badezimmer. Er zieht seine Maske herunter bis zum Kinn, gerade so, dass er seinen Mund sehen kann. Dann nimmt er die Zahnbürste und die schwarze Zahnpasta, um sich damit ordentlich die Zähne zu putzen. Moment? Schwarze Zahnpasta, fragt ihr? Ja, Ninja putzen sich wirklich mit schwarzer Zahnpasta die Zähne. Ganz einfach, weil sie so keine weißen Flecken auf die schwarze Kleidung bekommen, wenn sie beim Zähneputzen mal kleckern. Ihr müsst wissen, dass Ninja sehr clever sind.

Der kleine Kopf tut dem kleinen Ninja jetzt gar nicht mehr so weh. Gut so, denn dann lässt sich das Frühstück viel besser genießen. Der kleine Ninja isst jeden Tag ein Schwarzbrot mit Schokoladen-Brotaufstrich zum Frühstück. Wisst ihr warum? Genau. Weil man die Schokoflecken nicht auf seiner schwarzen Kleidung sieht, wenn er mal kleckert. Wenn ihr also mal einen roten Ninja seht (was eigentlich gar nicht geht, weil sich Ninja immer gut vor euch verstecken), dann mag der ganz bestimmt gerne Erdbeer-Marmelade zum Frühstück essen. Da sieht man dann die roten Flecken nicht auf seiner Kleidung. Es gibt auch gelbe Ninja, die beim Pipi machen nicht so aufpassen wollen und weiße Ninja, die keine schwarze Zahnpasta mögen. Normalerweise sind aber alle Ninja schwarz angezogen.

Nach dem Frühstück klettert der kleine Ninja aus dem Fenster nach draußen. Das machen alle Ninja so. Türen sind nichts für Ninja. Jetzt denkt ihr vielleicht, das ein Ninja gerne am Boden spazieren geht. Stimmt aber nicht. Ninja klettern durchs Fenster nach draußen und dann an der Hauswand nach oben. Aufs Dach! Denn Ninja gehen nicht spazieren. Sie fahren auch sehr selten mit dem Bus, weil sie dann automatisch immer schwarz fahren.

Nein, Ninja springen über die Dächer der Stadt und kommen so überall hin. Habt ihr schon mal im Augenwinkel etwas Schwarzes durch die Luft fliegen sehen und dachtet ihr dann, dass das bestimmt eine Krähe, eine Drossel oder ein anderer Vogel war? Bestimmt war das ein Ninja, der gerade auf dem Weg zum Bäcker war!

Der kleine Ninja will in diesem Moment nicht zum Bäcker. Er hat ja schon ein Schwarzbrot mit Schoko zum Frühstück gegessen. Nein, der kleine Ninja ist gerade auf dem Weg in die Schule. Nur Ninja wissen wo sich die Ninja-Schule versteckt, und nur sie kennen den Eingang, ganz oben, unter dem Dach. Praktisch. Sofern man denn ein Ninja ist. In der Schule lernen Ninja klettern, springen und wie sie sich am besten verkleiden können. Und rechnen. Warum er rechnen lernen muss, weiß der kleine Ninja gar nicht so recht. Aber es macht Spaß und schwarze Zahlen gefallen ihm.

In der großen Pause klettern und springen Ninja nicht wie ihr über den Pausenhof. Sie haben ja Pause und hängen sich deshalb zum Ausruhen unter die Zimmerdecke des Klassenzimmers. Der kleine Ninja trinkt dann gerne einen Traubensaft. Der macht dunkle Flecken, falls er kleckert. Was wohl ein roter Ninja gerne trinkt? Oder ein weißer? Am Nachmittag nach der Schule hüpft der kleine Ninja dann über die Dächer in den Park. Dort sitzt er aber nicht etwa auf der Bank oder spielt in einem Sandkasten. Nein, der kleine Ninja sitzt dann in einer Baumkrone und beobachtet andere Menschen. Das mögen Ninja und der kleine Ninja liebt es ganz besonders. Dort sitzt er dann den ganzen Nachmittag und beobachtet alles und jeden.

Wenn es dunkel wird, hat der kleine Ninja keine Lust mehr, sich zu verstecken. Dann ist es nämlich viel zu einfach. Das kann ja jeder, sich im Dunkeln verstecken. Wo ist denn da der Witz, denkt er sich. Also hüpft er wieder über die Dächer zurück nach Hause, klettert an der Fassade bis zu seinem Fenster hinunter und verschwindet ganz unauffällig in seinem kleinen Zimmer.

Dort angekommen gähnt er ganz lange und laut. Nach dem Zähneputzen (natürlich mit der schwarzen Zahnpasta, denn auch der Schlafanzug vom kleinen Ninja ist schwarz und möchte nicht mit weißen Zahnpasta-Flecken beschmutzt werden) klettert er müde an der Wand hoch bis zur Zimmerdecke. Oben stellt er seinen schwarzen, kleinen Wecker und schläft schnell ein, nachdem er noch eine Handvoll schwarze Schafe gezählt hat.

Eins, zwei, drei, vier, fünf, chr, chrr, chrrr, chrrrr, chrrrrr.

Jetzt wisst ihr, was Ninja sind und was diese den ganzen lieben langen Tag so machen. Und wenn ihr es demnächst einmal in einen Baum rascheln hört, sich etwas auf einem Dach bewegt oder ihr das Gefühl habt, beobachtet zu werden, dann ist das ganz sicher ein kleiner Ninja. Vielleicht sogar dieser kleine Ninja.

Ende.

Auch als Download erhältlich!

Der Kleine Ninja ist als freier Download verfügbar. Die Apple iBooks Edition für das iPad beinhaltet die oben stehende Geschichte mit Bonus-Kapitel. Die Epub und Mobi (Kindle) Fassungen beinhalten technisch bedingt nur die Hauptgeschichte, ohne das Bonuskapitel.  

 
 

Der Kleine Stundenplan

Die Schule fängt an und da brauchen kleine Ninja vor allem eins: Einen Stundenplan, um nicht zu vergessen, wann Schleichen, Klettern und Mathematik an der Tagesordnung stehen. Kein Problem, denn jetzt gibt es den kleinen Stundenplan als Download. Natürlich schön schwarz. Damit ist Schule gleich noch mal ein Stück toller!
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Derkleine.Ninja von Torsten Hartmann und Eudard Anton
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